LUS eine von nur 14 pädagogisch selbstständigen Schulen Hessens

Die Ludwig-Uhland-Schule in Gießen erhält vom Kultusministerium das Zertifikat einer „Pädagogisch selbstständigen Schule“ und sieht damit den eigenen, schon vor circa 15 Jahren eingeschlagenen Weg bestätigt.

Seinen ganz eigenen pädagogischen Weg zu gehen, die Schüler bestmöglich auf ihre Zukunft vorzubereiten, und darüber hinaus zusätzliche Kompetenzen zu vermitteln, die den jungen Menschen nicht nur in ihrer weiteren Schullaufbahn, sondern auch im alltäglichen Leben zugutekommen – diese Ziele kann die Ludwig-Uhland-Schule (LUS) in Gießen nun auch mit Segen des Kultusministeriums weiterverfolgen. Denn die LUS ist eine von nur 14 Schulen in ganz Hessen, denen jetzt das Zertifikat einer „Pädagogisch Selbstständigen Schule“ verliehen wurde.

Was also ändert sich nun an der Grundschule, wo dieses Konzept der Selbstständigkeit in all den Jahren sozusagen schon in Fleisch und Blut übergegangen ist? Eigentlich gar nicht viel. „Wir bekommen vier Lehrerstunden pro Woche mehr für Schulentwicklungsfragen finanziert, außerdem wird es künftig jährlich noch eine zweite ‚Schule anders‘-Woche geben“, fasst der Leiter zusammen. Beides kommt natürlich dem Konzept entgegen und schafft „zusätzliche Spielräume“.
Noch keine „Notenfreiheit“

Außerdem hätte noch die Möglichkeit bestanden, die „Notenfreiheit“ an der LUS einzuführen, also schulische Leistungen künftig in Wortform statt als Zahlen auszudrücken. „Das aber kam für uns nicht infrage“, sagt Konrektorin Anke Fink. Womöglich dauert es aber nicht mehr lange, bis auch das umgesetzt wird. So vertritt Jan-Hendrik Schneider die Ansicht, dass „die Aussage von Ziffern-Noten sehr gering ist“. Schon jetzt gibt es mit Schülern wie auch Eltern regelmäßige „Lernentwicklungsgespräche“, ergänzt Fink. Abgesehen davon sei „die Notenplanung nichts Starres“. Laut Gießens Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser wird die Pädagogik an der LUS zwar „nicht neu erfunden“. Doch würde man es immer begrüßen, wenn Schulen „innovative Konzepte entwickeln“. Und dieses Landesprogramm biete die dafür die notwendige „Flexibilität“.
Die Mitgestaltung des Schullebens beginnt bereits in jeder einzelnen der zurzeit insgesamt 14 Klassen. So wird zu Beginn des Schuljahres ein Klassenrat, bestehend aus Klassensprecherin und Klassensprecher, gewählt, dessen Sitzungen regelmäßig stattfinden. Genauso wie die der Schulkonferenz, wo Vertreter aller Klassen zusammenkommen. Verantwortung übernehmen die jungen Leute aber auch für die Schule als Ganzes, wenn sie beispielsweise Büchereidienste und eigenverantwortliche Pausenausleihen organisieren oder das Schulleben mit kulturellen Veranstaltungen – von Schulfesten und Theater- und Chorauftritten über Ausstellungen und Sportwettkämpfen bis hin zu Gottesdiensten – bereichern.

Die „Lernzeit“ hingegen wurde bereits 2016 eingeführt, wofür man den Stundenplan am Vormittag entsprechend angepasst hat. Die gemeinsame Konzeption liegt bei Klassenlehrer und Jahrgangsteam und wird von den Schülern selbstständig noch während des Vormittags erarbeitet. Zu den Freiräumen gehört dabei auch, dass die traditionelle 45-Minuten-Stunde abgeschafft wurde. „Der Pausengong ist nur zum Ende der Pause zu hören“, erläutert Schneider. Zudem gibt es „Selbstreflexionsphasen“, in denen sollen die Schüler die Effektivität ihrer eigenen Arbeit kontrollieren, beschreibt es Fink. Alles in allem sei das „ein großer Schritt in die Selbstständigkeit“, die Schüler hätten sogar schon WhatsApp-Gruppen dazu gegründet.
„Großer Vertrauensbeweis“

Für die Schulleitung und die derzeit 27 Lehrkräfte bedeutet das Ganze natürlich auch eine große Verantwortung. Jährlich müssen sie ihre eigene Arbeit auf der Grundlage ihrer Konzeption und ihres Schulprogramms mithilfe eines Qualitätsmanagementsystems bewerten. Darüber hinaus gibt es eine externe Evaluation, die sich verstärkt auf jene Maßnahmen konzentriert, die von der Schule selbst zur Sicherung der pädagogischen Qualität ergriffen werden. Dass die Eltern an der LUS diesen Weg seit all dieser Zeit mitgehen, sei von deren Seite „ein großer Vertrauensbeweis“, betont Kerstin Gromes vom Staatlichen Schulamt. Der an der Ludwig-Uhland-Schule eingeschlagene Weg hat die Mütter und Väter offenbar überzeugt.